Worum geht es eigentlich in Operation Zeitreise?

Sehr verehrtes Publikum, ich nehme Sie heute mit auf eine außergewöhnliche Zeitreise, die sich mit meinem wichtigsten Lebensabschnitt beschäftigt: der Suche nach dem Traumberuf. Damals – also Mitte der 90er-Jahre – bewarb ich mich noch mit tabellarischem Lebenslauf und schwarz / weiß-Foto, um aus der Fülle an Bewerbungen herauszuragen und schickte Woche für Woche meine Referenzen auf dem Postweg auf Bewerbungs-Reise. Online-Bewerbungen wurden zu jener Zeit noch kritisch beäugt und an Bewerbungs-Videos dachte damals noch kein Mensch.

In meinem Lebenslauf stand chronologisch geordnet: Besuch der Grundschule in Weingarte(Baden), Abitur an der Käthe-Kollwitz-Schule in Bruchsal und Studium an der Universität Mannheim mit einem „guten“ Abschluss als Magister in Germanistik, Politik sowie Kommunikations- und Medienwissenschaft. Dass ich während meines Germanistik-Studiums solche „nützlichen“ Dinge lernte wie das Übersetzen mittelhochdeutscher Texte ins Hochdeutsche, verschwieg ich lieber.  Da man als Berufseinsteiger erst einmal Praxis-Erfahrung nachweisen musste, ließ ich meinem Studium eine einjährige Weiterbildung zum Fachzeitschriften-Redakteur in Stuttgart folgen und sammelte als freier Redakteur meine ersten journalistischen Erfahrungen.

Leider konnte ich davon nicht leben. Als Musik-Liebhaber entschied ich mich unter anderem für das Augsburger Fanzine TRUST zu schreiben. Dafür gab es zwar kein Geld, aber meine Sammlung an Text-Proben für die Bewerbungen stieg enorm. Und das Beste: Ich konnte genau die Persönlichkeiten und Bands interviewen, die mir viel bedeuteten, wie beispielsweise den Schlagzeuger der MOTHERS OF INVENTION Jimmy Carl Black, der bis kurze Zeit vor seinem Tod am 1. November 2008 Musik machte oder genauer gesagt – machen musste. Nicht, weil er süchtig nach dem glamourösen Tour-Leben gewesen wäre, sondern weil er ganz einfach keine entsprechende Rente bekam. Jimmy war zwar weltweit als MOTHERS-Schlagzeuger bekannt, kaufen konnte er sich davon allerdings nichts. Deshalb machte er bis zu seinem Tod das, was er am Besten konnte – nämlich Schlagzeug spielen und Singen.

Als meine Frau Peggy und ich 2015 im Schuppen ein Kaninchengehege für unsere drei Töchter – oder genauer gesagt für zwei Zwerg-Kaninchen – anlegten, fiel mir ein Umzugskarton mit alten Interview-Kassetten in die Hände. Ich denke das Schicksal wollte es, dass ich die wichtigsten der Bänder digitalisieren ließ, um sie der Nachwelt zu erhalten.

Allerdings war ich noch nie ein Mensch der schnellen, einfachen Lösungen – dazu hatte ich einfach immer wieder zu viele Ideen. Nachdem ich zunächst vier der Interviews – meine Gespräche mit Harald Hurst, Jürgen Schattner und Jule Axmann, Mambo Kurt und Jimmy Carl Black – mit Musik meiner früheren Band SIMUINASIWO unterlegen wollte, fragte ich mich, was denn wohl heute aus den von mir sehr geschätzten Persönlichkeiten im Laufe der Jahre geworden war.

Und so machte ich mich fast 20 Jahre nach den ersten Interview-Begegnungen daran, schriftlich mit meinen damaligen Helden Kontakt aufzunehmen. Wie es sich für die heutige Zeit gehörte natürlich via E-Mail. Lediglich bei Harald Hurst suchte ich vergebens im Internet nach einer Homepage oder E-Mail-Kontakt-Adresse – von Facebook ganz zu schweigen. Deshalb schrieb ich ihm im April 2015 einen Brief und steckte ihm neben dem Interview von 1997 zehn weitere Fragen sowie meine beiden letzten Bücher in einen Umschlag und wartete gespannt, ob er sich melden würde.

Mambo Kurt meldete sich als erster und beantwortete kurz und knapp meine Fragen. Jürgen Schattner sagte ebenfalls zu, meine Fragen zu beantworten, räumte aber gleichzeitig ein, dass er von Köln nach Hamburg ziehe und es deshalb etwas dauern könne. Im Sommer 2016 erreichten mich schließlich per Mail Jürgens Interview-Antworten,  verbunden mit der Info, dass ich im selben Jahr noch zweimal die Gelegenheit bekäme, seine beiden Bands KICK JONESES und die legendäre WALTER ELF in der Alten Hackerei in Karlsruhe live zu erleben. Am 10. November 2015 – als ich gerade dienstlich bei einer Tagung in Isny war – meldete sich Harald Hurst auf meinem heimischen Anrufbeantworter. Ich rief ihn zurück und wir vereinbarten, uns im Januar 2016 in Weingarten bei einem Glas Wein zu treffen. Im Februar telefonierten wir erneut und Harald meinte, dass es einfach noch zu kalt und ungemütlich sei und wir unser Treffen doch auf eine Zeit verschieben sollten, in der wir gemütlich bei einem Glas Wein draußen sitzen könnten. Diese Zeit kam schließlich im September 2017 in Ettlingen als wir uns ganz entspannt bei Wein und Weizenbier in einem Straßen-Café unterhalten konnten.  So viel zu dem, was Sie erwartet.


Ich wünsche Ihnen viel Spaß und gute Unterhaltung